Meinesgleichen

Aus der weiten Welt der Meinung

Falter & Meinung | aus FALTER 21/09 vom 20.05.2009

Hazeh Strache tritt uns neuerdings mit einem Kreuz in der Hand entgegen, als wolle er einen jener Mönche der Gegenreformation parodieren, die das damals noch zu neunzig Prozent lutherische Wiener Volk teilweise in Fremdsprachen auf Rom einschworen. Strache evoziert auch das Bild des Redemptoristenmönchs Clemens Maria Hofbauer, des "Landespatrons von Wien" - eines von Joseph II. und Napoleon wohl zu Recht schikanierten Reaktionärs. Und natürlich wäre Strache gern Abraham a Sancta Clara, auch kein Liebesprediger vor dem Herrn. Das Wort vom "Hassprediger" hat seine Berechtigung und seinen bildgeschichtlichen Sinn.

Strache meint nicht nur die Muslime, noch mehr meint er uns. Das österreichische Identitätsproblem kommt in ihm als rechtes Schlangenknäuel daher. Strache, in der reformatorischen Tradition der deutschnationalen Rechten, geriert sich zugleich als romtreuer, katholischer Verteidiger des Abendlands. Gewiss, auch Hitler hatte seinen spezifischen Glauben (Friedrich Heer hat darauf hingewiesen), und Teile des römischen Klerus bis an die Spitze glaubten ihm. Was Strache uns vorführt, ist ein starkes Stück: Er beschwört zugleich Reformation und Gegenreformation. Er hofft damit, einen Zipfel von dem zu erwischen, was man als Volksfrömmigkeit bezeichnet und was die anderen Parteien, Gott sei Dank, möchte man sagen, nie und nimmer zu berühren vermögen. Das macht den lächerlichen Prediger auch gefährlich.


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