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Politik | aus FALTER 21/09 vom 20.05.2009

Frau Brandsteidl, bläst der Stadtschulrat zur Hetzjagd?

Wie der Falter berichtete, sollen Schüler des Wiener Gymnasiums Albertgasse bei einer Klassenfahrt nach Auschwitz antisemitische Äußerungen gemacht haben. Diesen Dienstag, nach Redaktionsschluss gab es in der Schule eine Disziplinarkonferenz. Vorab sprach Susanne Brandsteidl, Präsidentin des Stadtschulrats, über den Vorfall und seine Folgen.

Frau Brandsteidl, wird es Konsequenzen nach dem Schulausflug geben?

Ja, es findet eine Disziplinarkonferenz statt und für einen Schüler wird der Antrag auf Ausschluss eingebracht. Wie weit man dem Antrag in der Konferenz nachgibt, das können wir heute noch nicht sagen.

Was würde so ein Ausschluss bedeuten?

Das kann ich jetzt nur allgemein beantworten, weil der Schüler ja noch nicht ausgeschlossen wurde. Aber in so einem Fall kümmert sich die Schulaufsicht und die Direktion um die weitere Vorgangsweise. Man sucht dann nach Möglichkeiten, dass der Schüler die Schullaufbahn beenden kann.

Die Organisatoren der Reise behaupten, dass Sätze wie "Die Juden gehören vergast" gefallen sind. Stimmt das?

Diese Aussage konnte nicht bestätigt werden. Aber es hat andere Aussagen gegeben, die nachgewiesen wurden. Die Schüler haben sich nicht so verhalten, wie man sich in einem Konzentrationslager verhält. Offensichtlich haben auch die Lehrer nicht richtig reagiert.

Wird es für die Lehrer disziplinarrechtliche Maßnahmen geben?

Ja, sie werden belehrt und sicherlich aufgefordert, ihre Schüler in Zukunft besser vorzubereiten. Eine Fahrt nach Auschwitz kann man nicht wie einen Wandertag behandeln.

Eltern kritisieren, dass der Stadtschulrat nun eine Hetzjagd durchführt. Stimmt das?

Nein. Ich glaube, wenn eine Schülergruppe aus Auschwitz hinausgeworfen wird, dann muss man das ernst nehmen und alles machen, dass das nicht noch einmal vorkommt. Das ist kein Spaß.

Interview: Ingrid Brodnig


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