Mediaforschung

Nachfragekolumne

Medien | Matthias G. Bernold | aus FALTER 21/09 vom 20.05.2009

Wie ehrlich ist die Werbung von Billa, werter Hausverstand?

Das Wort Hausverstand lässt sich ins Englische am besten mit conventional wisdom übersetzen. Es beschreibt Erklärungsmodelle, deren Schlüssigkeit naheliegt, die sich aber bei näherem Hinsehen nicht selten als falsch erweisen. In der politischen Auseinandersetzung führt meist derjenige den Hausverstand ins Treffen, dem die Sachargumente ausgehen.

Billa hat seinen Hausverstand bereits vor zwei Jahren personalisiert. Im jüngsten Fernsehspot der Agentur Dirnberger de Felice Grüber lässt uns der Hausverstand-Mann vor einem Wildbienenstock an seinen Gedanken teilhaben. "In Krisenzeiten sammeln sich die Bienen - das Volk geht zusammen", sagt der Herr mit dem treuherzigen Blick, dessen Rolli diesmal von einem Imkerschutzanzug verborgen wird, "davon können wir lernen, finde ich. Wenn wir alle zusammen ein bisschen mehr auf österreichische Qualität achten, ist das auch für unsere Wirtschaft gesund. Drum sagt Billa Ja zu A." Der Spot scheint schlüssig. Er deckt sich mit unserem Conventional Wisdom: Die Bienen müssen sich ängstigen, wenn der Hausverstand-Mann und das Kamerateam ihre Ruhe stören. Ob allerdings das Volk in Krisen- und Wirtschaftskrisenzeiten zusammengeht, ist zu bezweifeln. Wie die Demonstrationen letzte Woche und die Debatten um Kollektivverträge, Vermögensteuer und Lehrstunden zeigen, zersetzt es die Solidarität, wenn der Kuchen kleiner wird.

Was meint Billa eigentlich damit, wenn der Konzern Ja zu A sagt? Wie viele Produkte im Sortiment kommen aus Österreich? Rewe-Sprecherin Corinna Tinkler will keine Zahlen nennen, räumt aber ein, dass es seit der Kampagne nicht mehr geworden sind. "Wir setzen bereits so stark auf die österreichische Landwirtschaft", erklärt sie, "dass eine Ausweitung des Österreich-Anteils bei Billa in Österreich kaum noch möglich ist."


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