Gegen die Vollbässe und Vollbartmänner

Feuilleton | aus FALTER 21/09 vom 20.05.2009

Vor 70 Jahren starb Joseph Roth. Die wenigen Jahre, die er in Wien verbrachte, haben sein Leben bestimmt

Würdigung: Klaus Nüchtern

Man druckte meine Dummheiten. Ich lebte davon." Was Joseph Roth 1930 in einem Brief an seinen Verleger Gustav Kiepenheuer schreibt, kann getrost als falsche Bescheidenheit abgetan werden, die der Schriftsteller keineswegs immer an den Tag legte. "Sie selbst wissen sehr gut, dass der Glanz meines Radikalismus die ganze Frankfurter Zeitung verschönt und sogar legitimiert hat", äußert er sich ein Jahr zuvor hochfahrend gegenüber dem Feuilletonchef der FZ, Benno Reifenberg; "wo Joseph Roth schreibt, wird es radikal, im Abort oder im Parlament, so wie es überall kühl wird, wo der Wind bläst. Ich also bleibe Joseph Roth, so lange ich eine Zeile schreibe. Die Frankfurter Zeitung aber ändert sich, sobald sie den Glanz meiner Zeilen entbehrt."

Unbestreitbar ist, dass Roths journalistisches Werk vom Umfang her sein literarisches überwiegt, und dieses ist mit 15


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