Alle Kaiser, die da kommen, werden meine Kaiser sein

Feuilleton | aus FALTER 21/09 vom 20.05.2009

Wie Joseph Roth vom linken Feuilletonisten und Romancier zum Monarchisten und Apologeten des Ständestaats wurde

Essay: Erich Klein

Es stürzte eigentlich gar nichts. Der Thron verfiel wie eine morsche Sitzbank in einem vernachlässigten Park. Als kein Kaiser mehr da war, entdeckte man die Republik. Da man nicht mehr loyal sein konnte, wurde man revolutionär."

Was der 25-jährige Joseph Roth, Heimkehrer aus dem Ersten Weltkrieg, im November 1919 in der Wiener Zeitung Der Neue Tag schreibt, verrät keinerlei Sentimentalität gegenüber der untergegangenen Monarchie, als deren Sänger er heute gilt. Roths Reportagen aus Wien und dem von Béla Kuns "Lenin-Buben" besetzten späteren Burgenland sind links und frech. Dasselbe gilt für seine Artikel über Berlin, über den Prozess gegen die Rathenau-Mörder oder Hitlers Münchner Putschversuch.

Linkspatriotisch gibt sich Roth, mittlerweile Mitarbeiter der renommiertesten deutschen Zeitungen, angesichts der französischen Besetzung des Ruhrgebietes.


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