Stille ist stärker als der Schuss

Feuilleton | aus FALTER 21/09 vom 20.05.2009

Der Ausnahmezustand Liebe, erzählt durch Licht und Leere: Philippe Garrels Film "La Frontière de l'aube"

Liebeserklärung: Michael Pekler

Von Philippe Garrel stammt die Behauptung, das Kino sei Louis Lumière plus Sigmund Freud, und wer nach 100 Jahren daran immer noch zweifelt, hat seinen jüngsten Film, "La Frontière de l'aube" nicht gesehen.

Dieser Film handelt von einer Liebe, die so groß ist, dass man sie im Kino heutzutage eigentlich gar nicht mehr erzählen kann, jedenfalls nicht mehr allen Ernstes, es sei denn, man betrachtet sie mit den Augen Garrels. Einmal in diesem Film fragt die junge Schauspielerin Carole (Laura Smet), die dem Fotografen François (Louis Garrel) in einer Amour fou verfallen ist, ob er sie auch lieben werde, wenn sie keine Haare mehr haben wird. Oder wenn sie verrückt geworden sei. Und plötzlich gibt es da einen Moment des Zögerns, wie so oft bei Garrel, ein kurzes Innehalten, das schlimmer ist als alles, was noch kommt.

Lumière und Freud, die Pioniere


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