Kraliceks Festwochentagebuch

(1) Notizen eines Festwochenbesuchers auf der Suche nach dem Theaterglück

Feuilleton | aus FALTER 21/09 vom 20.05.2009

In Wien ist manchmal so viel los, dass der Stadt der Strom ausgeht

Donnerstag, 14. Mai: Liebes Tagebuch! Heute habe ich gelernt, dass man manche Vorstellungen erst versteht, wenn sie schon vorbei sind. Erst beim Schlussapplaus der brasilianischen HipHop-Performance "H3" sieht man, was das für harte Burschen sind, die da getanzt haben. Alle haben gedrungene, muskelbepackte Körper, einige Gesichter sind von üblen Narben entstellt. Erst jetzt wird mir die Kluft bewusst, die sich zwischen der Biografie dieser Jungen und ihrer Kunst auftut. Letztere nämlich ist von all dem, was man (als Laie) mit HipHop oder Streetdance assoziiert, recht weit entfernt. "H3" ist ein sehr subtiler, artifizieller Reigen aus Tanzszenen, die zwar latent aggressiv, immer wieder aber auch erstaunlich zärtlich erscheinen.

Der Choreograf Bruno Beltrão und seine Grupo de Rua (die mit ihrem vorigen Stück "H2" schon 2005 bei den Festwochen gastierten), sind eine internationale Erfolgsgeschichte. Aber als ich beim Applaus


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