Nüchtern betrachtet

Von Zungensulz darf man nicht alles wollen!

Feuilleton | aus FALTER 21/09 vom 20.05.2009

Feuilletonchef Klaus Nüchtern berichtet aus seinem Leben. Die Kolumnen als Buch: www.falter.at

Zu viel Arbeit, zu wenig Schlaf, zu viele Pollen, zu wenig Alkohol. Und die Zungensulz vom Radatz ist zwar köstlich, wäre aber mit dem Anspruch, an meiner suboptimalen Befindlichkeit Grundsätzliches zu ändern, entschieden überfordert, wäre ich so blöd, holistische Wohlbefindlichkeitserwartungen an eine Zungensulz zu stellen, was ich nicht tue, weil - ganz klar! - Wellness nicht in den engeren Kompetenzbereich einer Zungensulz fällt. Die ganze Misere hat damit begonnen, dass ich vergangene Woche nach München gefahren bin, um ein seinem Gültigkeitsende entgegendämmerndes Bahnticket einzulösen, zu welchem Zwecke ich mich selbst mit einem nahezu zeitlosen Arbeitsauftrag versorgte und ein Interview führte. Wir saßen beim Chinesischen Turm, und mein Gegenüber geriet ob meiner Fragen in Zustände konvulsivischer Heiterkeit. "Das interessiert doch keine Sau!", rief er bestens gelaunt und

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