Stadtrand

Urbanismuskolumne

Stadtleben | Joseph Gepp | aus FALTER 21/09 vom 20.05.2009

Rauchen am Flughafen im Jahr 2025

Historiker nennen es die "Ungleichzeitigkeit des Gleichzeitigen". Man kann durch die Stadt spazieren und jeden Ort, auf den man trifft, einem bestimmten Zeitalter zuordnen. Im Jonasreindl wäre dann circa das Jahr 1965, auf der Simmeringer Hauptstraße 1985, auf der Donauplatte 1995, im Museumsquartier 2005. Und am Wiener Flughafen wäre 2025. Allerdings nur, wenn ab 2009 auch wirklich alles schiefgeht. Denn am Flughafen reiht sich ein seelenloses Geschäft ans nächste, das Essen kommt vom Buffet, die Dekoration soll wohl die Eigenheiten des umliegenden Alpenländchens hervorheben, sofern sich Thonetsesselimitate und immergleicher Donauwalzer dafür eignen. Am meisten à la 2025 sind aber die Raucher: Die stehen dort wie ausgestopfte Tiere im Museum hinter Glasvitrinen. Nicht einmal die Solidarität der Ausgestoßenen bleibt ihnen, denn dafür sind ihre Zellen zu kühl und die Sitze zu hart. Immerhin liefern sie den anderen Kunden pädagogischen Mehrwert: Seht, wie süchtig sie sind! Die stellen sich sogar dort rein!


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