Hundert Jahre Zeitausgleich

Befindlichkeitskolumne

Steiermark | aus FALTER 21/09 vom 20.05.2009

Das Gewicht der Welt

Es ist schwer, die Welt zu verstehen, das weiß niemand besser als die Dame von der Parkraumüberwachung, die von ihrer Kollegin für ihre Figur bewundert wird und sagt: Du, von nix kommt nix! Prinzipiell richtig, wir leben in einem geschlossenen System. Das Gewicht der Erde verändert sich nicht, nur hin und wieder durch einen Meteoriten, egal ob die Parklady zehn Kilo abnimmt - das heißt: auf ihre Umgebung verteilt - oder nicht. Ebenso hält sich die Menge von Schulden und von Guthaben die Waage, wenn jemand Schulden macht, baut jemand anders Guthaben auf usw. Kein Grund also, sich Sorgen zu machen wegen eines Zettels hinter der Windschutzscheibe. Weil aber Menschen irrational sind, verfallen sie in Panik. Der Verkauf von Schokolade steigt, Frauen tendieren zu längeren Röcken, der Musikgeschmack tendiert zu langsamen, bedeutungsschwangeren Stücken, Männer wollen reifere Frauen, um ihre Angst zu bekämpfen. Angst ist eines der wenigen Dinge, die echt aus dem Nichts entstehen können, deshalb ist auch der Markt dafür so viel erfolgversprechender als der für Fleisch, Energie oder Kürbiskerne. Angst kann auch in zweiter Ordnung auftreten, sie heißt dann Phobophobie, wenn gerade kein passendes Objekt in Sichtweite ist, etwa ein Zahnarztbesuch. Wer vor der Zahnbehandlung in Panik gerät, soll sich bei der Uni Graz als Probandin melden, allerdings nur wenn er weiblich, jung und rechtshändig ist.

Dramatiker Johannes Schrettle ist zwar kaum in Graz, dennoch weiß er immer was von dort zu berichten


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