Phettbergs Predigtdienst

Öffentlichkeit ist das meine! Anruf genügt

Kolumnen | aus FALTER 21/09 vom 20.05.2009

Hermes Phettberg führt seit 1991 durch das Kirchenjahr

Wenn ich mich in meinen Jeans jetzt bei Licht anschaue, verliebe ich mich erneut in mich. Narziss total! Am liebsten würde ich sie und mich ja nie waschen, was ich beides zu verschiedenen Phasen meines Lebens ja auch so trieb. Hab ich vielleicht ein Copyright auf versaute Jeans? Also hier meine Definition: 1. Alle Körperöffnungen entlassen ein Sekret. 2. Wo Spuren hinterlassen werden, da ist es versaut, und je deftiger desto. (Je gewaschener, desto eher nicht, es sei denn, die Jeans wären vom vielen Waschen schon so eng und daher umso praller gefüllt, sodass sie fast platzten und du zittern musst, sie legten bald alles offen …)

Bei der Aktion in der Kunsthalle Exnergasse "Phettberg begeht 5 Jahre ohne Sex und gibt einer breiten Öffentlichkeit Gelegenheit, Versäumtes nachzuholen" hatte ich in einer Museumsvitrine zehn meiner musealen Urjeans ausgestellt, die ich aufgehoben hatte, weil sie so geil stanken. Leider hatte ich dann die dritte Phase des erneut Bladwerdens, da hab ich unglaublich viel weggeschmissen, doch nicht meine urältesten; die wurden mir aus meinem Kellerabteil gestohlen. Dann, Jahre danach, hatte ich beim Umbau des Museumsquartiers auch eine Wichsapplikationsaktion, wo ich alle Spuren des Spritzens gab! Da ließen sich etliche Typen und Typinnen sogar Spuren der Wichsflecken applizieren.

Doch eigentlich führte mich zu diesem Gedanken ein anderer: Als ich heute in der Früh mein Nasensekret reinigen MUSSTE, fragte ich mich, wie es wohl jenen Guterzogenen, die NIE in der Nase bohren müssen, geht? Bildet sich dann nicht zu viel Nasensekret? Also ich muss so voll Gier und Lust in der Nase bohren, dass ich nie wen fragen kann, warum sie oder er nie bohren müsse. Ich kann hinschauen, wo ich will, ich sehe nie wen nasenbohren! Immer mehr und mehr entdecke ich mich wirklich als originellen Einzelgänger. De facto sind wir Lebewesen alle Gewächse, wachsen auch wir, und ich bin wirklich unparallel! Es ist zum Verzweifeln! Und da blickte ich an meinen Jeans hinunter und war wieder ganz in mich verliebt. Ich sah dermaßen betörend aus, es ist so komisch, dass nie wer an mir und Aktionen von mir interessiert ist … Öffentlichkeit ist das meine! Anruf genügt, komme ins Haus!

Die ungekürzte Version des Predigtdienstes ist über www.falter.at zu abonnieren.

Unter www.phettberg.at ist wöchentlich neu zu lesen, wie Phettberg strömt


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