Fragen Sie Frau Andrea

Faszinierend! Mr. Spocks vulkanischer Gruß

Kolumnen | aus FALTER 21/09 vom 20.05.2009

Andrea Maria Dusl beantwortet knifflige Fragen der Leserschaft

Liebe Frau Andrea,

Star Trek rollt wieder auf uns zu, dabei gibt es noch Fragen zu klären. Woher kommt der Gruß, den Mr. Spock mit der rechten Hand macht? Eine New Yorker Tante von mir behauptet, dies sei der Birkat Kohanim, er dürfe nur in einer Synagoge gemacht werden.

Auf liturgische Aufklärung wartet

Maria Cahon, Margareten

Liebe Maria,

Mister S'chn T'gai Spock, Erster und wissenschaftlicher Offizier an Bord des Raumschiffs Enterprise, ist Halbvulkanier. In den Adern des Sohns eines vulkanischen Botschafters und einer terrestrischen Mutter fließt grünes Blut. Als Spitzohr ist er der Logik verpflichtet und mit großen Fähigkeiten im Umgang mit Computern gesegnet. Ein eleganter Nerd, würden wir sagen. "Dif-tor heh smusma!", sagt Mr. Spock in Vulkansprache, "live long and prosper!" Dabei hebt er die rechte Hand und spreizt sie zwischen Mittel- und Ringfinger. Die Geste ist orthodoxen Juden bestens bekannt. Mit beiden Händen und gestreckten Armen ausgeführt, ist sie der Aaronitische Segen (hebräisch birkat kohanim), der älteste überlieferte Segensspruch der Bibel, benannt nach Moses' Bruder Aaron. Von diesem stammen nach jüdischer Tradition die Priester und Hohepriester des Tempels ab, die Kohanim. Träger der Namen Cohen, Cohan, Cahon, Coen, Kohn, Kahn, Kahane gelten in mittlerweile 106. Generation als direkte Nachkommen Aarons und dürfen unter Beachtung strenger Regeln den priesterlichen Segen sprechen. Kohanim müssen nüchtern sein, ihre Schuhe ausgezogen und die Hände gewaschen haben. Das Zeichen selbst repräsentiert den hebräischen Buchstaben Shin und steht für Shaddai, den Allmächtigen. Die Gemeinde darf bei der Segnung nicht zu den Kohanim sehen, bedeutet doch das Handzeichen ursprünglich Gottes Fähigkeit, durch die Ritzen der Wände zu sehen. Just daran hielt sich der junge Leonard Nimoy nicht, als er mit seinem orthodoxen Großvater die Synagoge besuchte. Er lugte während des Kohanim-Segens unter dem Gebetsmantel des Alten hervor, beeindruckt von der Magie und Theatralik der Zeremonie. In Erinnerung an diesen magischen Moment erhob der Star-Trek-Mime während der Dreharbeiten zur Episode "Amok Time", auf der Suche nach einer vulkanischen Geste, seine Hand zum ersten Mal zum Vulkaniergruß.


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