Festwochen Kritik

Winkler als Triptychon: Villach, Vergebung, Vögeln

Lexikon | Sebastian Fasthuber | aus FALTER 21/09 vom 20.05.2009

Es muss fürchterlich sein, in Kärnten aufzuwachsen, raunt ein Besucher dem anderen beim Verlassen des Schauspielhauses zu. Mitgefühl für Josef Winkler: Gerade hat "Wild wuchern die Wörter in meinem Kopf. Ein Triptychon" nach seinen Prosatexten als Co-Produktion mit den Festwochen und dem Nuovo Teatro Nuovo (Neapel) seine Premiere gefeiert. Feiern ist im Winkler-Kosmos freilich der falsche Ausdruck. Eine Leidensgeschichte ist es, die Regisseur Antonio Latella auf Basis einer Textauswahl von Alexandra Millner inszeniert hat. Die Schmerzpunkte Winklers sind auf drei Figuren verteilt: einen mit der Sprache hadernden Schriftsteller (Steffen Höld), einen den Katholizismus ins Spiel bringenden Priester (Vincent Glander) und einen fürs Homoerotische zuständigen Transvestiten (Max Mayer). Wobei die sich nicht immer auseinanderhalten lassen und über weite Strecken mehr wie ein Chor agieren. Leiden müssen sie sowieso gleichermaßen. Nur mit Unterhosen bekleidet, haben sie allerhand Verrenkungen zu vollführen. Wenn's noch etwas wüster würde, wäre man im Fuckhead-Konzert.

Latellas Inszenierung nimmt Winklers bildhafte Sprache und formt sie zu Theaterbildern von hoher Körperlichkeit. Die drei ringen mit dem Vater, der Sprache, dem Tod, der Lust, wahrscheinlich auch sich selbst. Dazu läuten Kirchenglocken und hämmert erbarmungslos eine Schreibmaschine. Manchmal darf auch gelacht werden - etwa, wenn Stadt-Land-Fluss à la Winkler gespielt wird: "Rom - Reue - Rute". Im Bühnenhintergrund schält derweil eine Frau Kartoffeln. Stumm und von den Männern unbemerkt. Sie ist die heimliche Heldin eines vom Publikum pflichtschuldig bejubelten Abends, der einem bei aller Intensität in seiner Plakativität streckenweise schon auch auf die Nerven gehen kann.

Schauspielhaus, Mi und Do 20.00


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