Vernissage

Wie queer kann Kunst eigentlich sein?

Lexikon | aus FALTER 21/09 vom 20.05.2009

Harbourgirl und Glamourpearl treffen sich in einer Hafenkneipe und fahren ganz offensichtlich aufeinander ab. Der Film "Hafenperlen" von Katrina Daschner bezieht sich auf eine ägyptische Leinwandproduktion aus den 40er-Jahren, welche die Künstlerin in ein lesbisches Setting transferiert. Die Arbeit ist in der Ausstellung "Smell it!" zu sehen, die vor allem Film- und Videoarbeiten aus dem Umfeld queerer Subkulturen zeigt. So etwa frühe Super-8-Filme von Bruce LaBruce, der künstlerische Techniken des Independentfilms mit Inhalten schwuler Pornografie mischt, um das Machotum der Punkszene in den USA zu entlarven. Queere Ästhetiken in der Kunst des sozialistischen Jugoslawien entschlüsselt Marina Grzinic. William E. Jones dagegen ruft mit seinem Beitrag einen reaktionären Akt gegen Homosexuelle in Erinnerung, der sich 1962 in Ohio ereignete.

Die Ausstellung will jedoch keine plakative Illustration von Kunst mit homosexuellen Inhalten sein. Das Credo "Freundschaft als Lebens-, Produktions- und Aktionsform" ist dem Titel der Schau nachgestellt und nimmt in den Beiträgen von Isabell Spengler, Deborah Schamoni und der Performancegruppe CHEAP Gestalt an.

Die Geschichten der Subkulturen werden der Kunsttheoretikerin Juliane Rebentisch zufolge nur selten und bruchstückhaft geschichtsfähig. Vielleicht kann diese Ausstellung diesem Defizit ein wenig entgegenwirken. MJ

Kunsthalle Exnergasse, Wuk, Mi 19.00, bis 27.6.


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