Neu im Kino

"Fay Grim" von Hal Hartley

Lexikon | Michael Pekler | aus FALTER 21/09 vom 20.05.2009

Zum Glück muss man, um diesen Film zu verstehen, nicht seinen zehn Jahre alten Vorgänger verstanden haben. Wobei Verständnis im herkömmlichen Sinn bei Hal Hartley ohnehin nicht einzufordern ist. Ende der 90er-Jahre zeichnete der damals noch große Name des US-Independent-Kinos in "Henry Fool" eine eigenartig überspannte Arbeitsbeziehung zwischen einem Müll- und einem Lebemann, deren geheime Schreibarbeit einerseits in den Knast und andererseits ins Nichts führte.

Zehn Jahre später sitzt der Müllmann Simon Grim im Gefängnis, während der Bohemien Henry Fool tot ist, sich abgesetzt hat oder beides. Nur Fay (nach wie vor: Parker Posey), die Schwester Simons und Ehefrau Henrys, ist noch da und hat mit den Alltagsproblemen einer Alleinerzieherin zu kämpfen: Der offensichtlich nach dem verschwundenen Vater geratene Sohn fliegt von der Schule; der Verleger des zum Bestsellerautor aufgestiegenen Simon drängt zum Date; und ein altertümlicher Projektionsapparat, in dem alle bis auf uns einen Porno sehen können, sorgt für Aufregung.

Das ist der Auftakt zu einem Parforceritt, bei dem es einem auch nicht weiterhilft, wenn man seinen zehn Jahre alten Vorgänger gesehen hat. "Don't do anything drastic", sagt zwar der Sohn, doch da ist die Mutter längst zwischen Geheimdiensten und Terroristen auf der Suche nach den möglicherweise verschlüsselten Tagebüchern ihres Mannes - und hat uns in einen exaltierten Ideenfilm gezogen: Mag sein, dass der Wahlberliner Hartley mit "Fay Grim" die paranoiden Verschwörungstheorien nach 9/11 ironisch analysiert. Wobei Analyse bei Hartley ohnehin nicht einzufordern ist. Hieß nicht bereits sein Debütfilm "The Unbelievable Truth"?

Im Top-Kino (OmU)


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