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Sammelkritik

Lexikon | Carsten Fastner | aus FALTER 21/09 vom 20.05.2009

Der Kaiser kapituliert, der Präsident palavert, der Terrorist droht, und der Große Vorsitzende erteilt den Schießbefehl. Mit Originaltondokumenten von Hirohito, George W. Bush, Osama bin Laden und vom Tian'anmen-Massaker in Peking unterlegt Christian Utz (geb. 1969) seine Komposition "repercussion.camouflage.report" und wendet sie so unversehens ins Politische. Der Kniff diene dem Ausdruck gegen Hass und Gewalt, sagt Utz, der damit zugleich "die Hilflosigkeit von Musik gegenüber der Wirklichkeit" eingesteht. Wer will da noch behaupten, die Neue Musik sei weltenfern?

Utz geht es in seinen Arbeiten gar um zwei Welten, genauer: um "Verknüpfungen, Koinzidenzen, Unvereinbarkeiten, Konflikte zwischen asiatischen und europäischen Hör-, Denk- und Schreibweisen". In den vier von buddhistischer Gelassenheit getragenen Kompositionen seines Albums "Transformed" (Spektral) führt er fernöstliche Instrumente wie die Mundorgel Sho, die Shakuhachi-Flöte oder das zitherartige Kayagum mit Bassklarinette,


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