Theater Kritik

Ich sah sie welken, die einst mir lachten

Steiermark | Gregor Schenker | aus FALTER 21/09 vom 20.05.2009

Constanze Dennig ist ja schon bekannt dafür, Problemstücke für Erwachsene zu schreiben, wobei die Gattung Problemstück schon im Jugendtheater häufig Angstschweiß auslöst. Mit "Geriatrischer Cocktail" ist Dennig aber ein sehr trockenes Stück gelungen, das von schriller Überzeichnung und erhobenem Zeigefinger befreit, die zwischenmenschliche Komponente des Pflegeproblems beleuchtet. So macht es auf schaurige Weise deutlich, dass es in diesem Land keine politischen Konzepte gibt, um mit der rapide zunehmenden Überalterung der Gesellschaft umzugehen.

Mit Wolfgang Müller-Lorenz in der Rolle des dement gewordenen ehemaligen Heldentenors und Grete Tiesel als dessen unmusikalischer Tochter, die ihre Aufgabe im Leben nun darin gefunden hat, ihren bettlägrigen, repetitiv vor sich hinstammelnden Vater zu pflegen, hat Dennig die Idealbesetzung für ihr Kammerspiel des alltäglichen Grauens gefunden. Ein Grauen, das aus der Hilflosigkeit entsteht, mit der das Leben, die Gesellschaft und die Institutionen diejenigen im Regen stehen lassen, die sich um die hilflos Gewordenen kümmern müssen. Allein in den monologisierenden Ausflügen Tiesels, in denen der Text eine abstraktere Wendung nimmt und sich beispielsweise dem Zentralthema des Stücks, der Hinfälligkeit, widmet, hätte man sich einen klareren inszenatorischen Bruch gewünscht (szenische Einrichtung gemeinsam mit der Autorin: Ewald Presker). Doch wenn Müller-Lorenz sich zittrig aus dem Rollstuhl stemmt, um - zum von Andi Beit und Christian Klöckl zur Brüchigkeit verbogenem Playback - noch einmal den "Parsifal" zu schmettern und dann wieder in die Finsternis zurückzufallen, entstehen Momente hoher Eindringlichkeit.

Theater am Lend, wieder am 29. u. 30.5, 20.00


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