Kunst Kritik

Trigons langer Schatten

Steiermark | aus FALTER 21/09 vom 20.05.2009

Den Umstand, dass Graz kein Trigon-Museum hat, weiß die Neue Galerie mit Ausstellungen auszugleichen, die das länderübergreifende, biennale Format der 60er- und 70er-Jahre retrospektiv aufarbeiten und rekontextualisieren. Dieses Mal in Kooperation mit dem ZKM Karlsruhe und dem Mart in Rovereto: Neben der ganz in diesem Sinn auf die legendäre Trigon 1973 bezugnehmend präsentierten Sammlung an hauseigenen Videoarbeiten wird mit Giuseppe Uncini (1929-2008) das Werk eines Bildhauers zur Debatte gestellt, dessen Beitrag zur Trigonschau "Ambiente" im Jahr 1967 schon erkennen ließ, dass die skulpturale Beschreibung von Volumina nicht notwendigerweise eine Sache materieller Füllung sein muss.

"Unità Cellulare" (inzwischen im Skulpturenpark rekonstruiert) beschränkt sich, ganz zum Wohle des Ambientes, auf die Umrisslinien eines Ensembles, das einen möblierten Innenraum vorstellt, und nimmt damit Anleihen bei Naum Gabo, der noch radikaler vorging, einen Eisendraht in Rotation versetzte, um so eine Form ganz virtuell zu zeugen. Für Uncini wird auch späterhin nicht der eigentliche skulpturale Körper, sondern vielmehr dessen Umgebung von Bedeutung sein. Die Skulptur zerlegt er und konzentriert sich immer stärker auf die Räume zwischen den in rauem Material ausgeführten Teilen. Dann wird, in einem logisch nächsten Schritt, der Umraum der Skulptur zum künstlerisch bearbeiteten Problem. Die Skulptur definiert Uncini als negative Form, stattdessen materialisiert er ihren Schatten. Wo das in der Kunstgeschichte hinführt, kann, als Werbeständer missbraucht, vor dem Shoppingcenter Seiersberg betrachtet werden. UT

Neue Galerie, bis 7.6.


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