Meinesgleichen

Aus der weiten Welt der Meinung

Falter & Meinung | aus FALTER 22/09 vom 27.05.2009

Wer mehr über Indien und, ja, auch über Sikhs wissen will, sollte Naipaul lesen. Der Schriftsteller V.S. Naipaul erhielt 2001 den Literaturnobelpreis, aber er ist genauso sehr Journalist wie Literat. Seine Bücher über die Dritte Welt sind facettenreich und anschauungsgesättigt wie die kaum eines anderen Autors. Indischstämmig, wurde er in Trinidad geboren, wo er auch aufwuchs. Heute lebt er in England. Von seinen zahlreichen Büchern über Indien ist das vor bald 20 Jahren erschienene "Indien, Land im Aufruhr" vielleicht das beste. Es besteht aus dutzenden Berichten und bietet ein vielschichtiges Bild dieses vielschichtigen Kontinents. Man hat Naipaul übergroße Schärfe vorgeworfen. Aber er ist nur exakt. "Wenn Leute schlecht sind", sagte er in einem Gespräch mit der NZZ, "muss man es ihnen sagen, dass sie schlecht sind. Wenn sie grausam sind, dass sie grausam sind. Und wenn sie keinerlei Ambitionen haben und faul sind, muss man ihnen auch das sagen. Man kommt nicht darum herum, das gehört zur Arbeit eines Schriftstellers. Man darf es nur nicht aus Rachsucht tun. Ich habe mein Schreiben nie benutzt, Rechnungen zu begleichen."

Auch nicht mit den Sikhs, deren Goldener Tempel, als Naipaul ihn besuchte, das Zentrum von Sikh-Terroristen war. Selbst vor dem unruhigen indischen Hintergrund, notierte Naipaul, wirkten die Sikhs "immer ein wenig alarmierend". Andererseits ist der indische Premier Singh ebenfalls Sikh - Indien, Land der Widersprüche.


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