Kommentar

Die heimischen Filme haben Weltrang, ihr Budget nicht

Film

Falter & Meinung | Michael Omasta | aus FALTER 22/09 vom 27.05.2009

Angeblich blieb selbst Cannes, das bedeutendste Filmfestival der Welt, von den Auswirkungen der Wirtschaftskrise nicht unberührt. Da erscheint es, wiewohl auf leicht beunruhigende Weise, doch irgendwie stimmig, wenn mit "Das weiße Band" von Michael Haneke ausgerechnet der Film eines österreichischen Regisseurs mit der Goldenen Palme ausgezeichnet wurde.

So oft kann man Oscars, Palmen, Löwen oder Bären gar nicht heimbringen, dass Kulturpolitikern mehr als eine Glückwunschadresse oder ein neuerliches Bekenntnis zur Bedeutung des Filmschaffens auskäme. Ein sinnleeres Ritual, das seit vielen Jahren gepflogen wird - und seit genauso vielen Jahren praktisch ohne Folgen geblieben ist. Die österreichischen Filme haben Weltrang, die Budgetmittel der Fördereinrichtungen nicht. So einfach ist das. Denn sowohl "Die Fälscher", unser Oscar von 2008, als auch "Das weiße Band" konnten nur in Co-Produktion realisiert werden.

Weil Film seit jeher nicht bloß ein Nationalgut, sondern auch international ist, wäre dagegen gar nichts einzuwenden: Vorausgesetzt es gäbe hierzulande Produktionsfirmen, deren Ausstattung es ihnen erlaubte, solche Projekte alleine durchzusetzen.Hanekes heimischer Partner bei "Das weiße Band", einer deutsch-österreichisch-französisch-italienischen Co-Produktion, ist Wega-Film. Veit Heiduschka, der Chef der in Wien ansässigen Firma, hat 1989 dessen Kinodebüt produziert und in den 20 Jahren seither bereits fünfmal mit Filmen von Haneke in Cannes teilgenommen.

Dass man die Palmblätter nun aufteilen muss und nur ein Bruchteil der Verkaufserlöse wieder nach Österreich zurückfließt, könnte den Politikern schon zu denken geben.


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