Abschweifungen und Ausschweifungen

Feuilleton | aus FALTER 22/09 vom 27.05.2009

Literatur als Modell für Geschichtsschreibung: Jeff VanderMeer erzählt den Untergang der fantastischen Stadt Ambra

Rezension: Thomas Ballhausen

Das Buchcover lässt nichts Gutes vermuten: Grellgrüne, giftig anmutende Pilze überwuchern eine altertümlich anmutende Schreibmaschine, an eine Fortführung der Arbeit ist mit diesem Apparat nicht mehr zu denken. Das Titelbild ist, so stellt sich es bei der Lektüre von Jeff VanderMeers zweitem Roman um die fantastische Stadt Ambra und ihrer skurrilen, schriftbesessenen Bewohner, Teil des Programms.

Hatte der preisgekrönte Autor mit "Stadt der Heiligen und Verrückten" mittels einer Vielzahl fingierter Quellentexte die Mythologie um die gleichermaßen betörende wie befremdliche Metropole vorgelegt, so folgt mit "Shriek" nun - ganz dem in der deutschsprachigen Übersetzung getilgten Untertitel "An Afterword" folgend - ein umfänglicher Kommentar zum unvermeidlichen Untergang dieser an Renaissancestädte erinnernden Siedlung.

Janice Shriek, die

  329 Wörter       2 Minuten
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