Stadtrand

Urbanismuskolumne

Joseph Gepp | Stadtleben | aus FALTER 22/09 vom 27.05.2009

Begreifen wir es endlich! Wien hat keinen Strand!

Unter dem Pflaster, der Strand." Was für ein wunderbarer Spruch. Vielleicht der einzige, der von 1968 bleiben wird. Denn wenn auch der Klassenkampf verschwunden ist, die Suche nach Freiräumen bleibt. Wir wollen durch die Stadt strolchen. Nicht sein, wo alle sind, nicht Bier trinken, wo alle trinken. Wir wollen den Strand. Und der liegt in Wien bekanntermaßen am Donaukanal. So gehen wir also dorthin, aber nicht in eins der Lokale, sondern direkt ans Ufer. Mit der mitgebrachten Dose am Asphalt und den Füßen im Wasser. Spätestens dann stellt sich aber heraus, dass Freiraum in einer 2-Millionen-Stadt relativ ist. Denn Strand und Natur wollten in 2000 Jahren Stadtgeschichte offenbar alle. Zumindest sieht der Kanal danach aus. Das Wasser ist eine grüngelbe, völlig undurchsichtige Brühe. Mit mysteriösen Strudeln, die Blätter, Kippen und derlei in die Tiefe saugen. Jeden Moment könnte eine Ratte, ein Taucher oder noch was Schlimmeres aus dem Schleim hüpfen, fürchten wir. Also doch keine Füße im Wasser. Schnell zurück in die Zivilisation. Bevor was passiert.


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