Hundert Jahre Zeitausgleich

Befindlichkeitskolumne

Steiermark | aus FALTER 22/09 vom 27.05.2009

Der Druck der Straße

Wer geht überhaupt noch auf die Straße? Die Jugend nicht, die geht ja in die Berge, wie wir aus Werbung für Wanderschuhe und abweisende Jacken wissen. Die Regierung sagt uns: Wer jetzt auf die Straße geht, gefährdet den sozialen Zusammenhalt. Das ist paradox, denn: Immerhin sind es doch die Straßen, die uns, neben den Märkten, miteinander verbinden. Die Straßenverkehrsordnung regelt, dass sich hier befreundete Verkehrsteilnehmer treffen, allerdings immer nur ganz kurz, sonst kommt der Verkehr zum Stillstand. Ein anderer Aspekt, der gar bummelwitzig daherkommen würde, wenn es nicht letzte Woche im Gries wirklich passiert wäre: GV auf der Straße. Ein leises, aber bestimmtes Stöhnen, gar nicht so gut versteckt hinterm Griesplatz, und zwei Menschen, die sich bald daraufhin in zwei ganz verschiedene Richtungen verabschiedeten, als wäre es das traurige letzte Mal einer tragischen Amour fou. Zu Recht sagt der Chef der Wirtschaftskammer: Ergebnisse erzielt man nicht auf der Straße! Straßenluft hemmt die Spermienqualität langfristig, ebenso beheizte Autositze, Nikotin und zu enge Hosen.

Enge Hosen aber erinnern uns an die Siebzigerjahre, als die Straße noch ein umkämpfter Ort war und alle irgendwie links. Damals sprach man mit Blick in den Schritt von zum Beispiel Waterloo und Robinson von Links- oder Rechtsträgern. Heute ist das alles irgendwie wurscht.

Dramatiker Johannes Schrettle ist zwar kaum in Graz, dennoch weiß er immer was von dort zu berichten


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