Festwochen Tipp

forum festwochen: Biografie, kein Spiel

Lexikon | Wolfgang Kralicek | aus FALTER 22/09 vom 27.05.2009

Die Festwochenreihe forum festwochen ff litt in den letzten Jahren ein wenig darunter, dass sie sich kaum vom Rest des Schauspielprogramms abhob. In diesem Jahr wurde das forum deshalb kompakter programmiert: Die sieben Performances der Reihe finden terminlich (elf Tage) und örtlich (brut) konzentrierter statt, die thematische Klammer lautet "Biografie".

Das deutsche Regieteam Rimini Protokoll überlässt in der Dokuperformance "Black Tie" (30.5. bis 1.6.) einer jungen Frau namens Miriam Yung Min Stein die Bühne, die als koreanisches Adoptivkind in Deutschland aufwuchs und jetzt auf der Suche nach ihrer Identität ist; mit "Las Puertas del Cielo" und "Paradise 2" (31.5. bis 3.6.) stehen an einem Abend zwei Performances aus Spanien auf dem Programm, in denen die Schicksale illegale afrikanischer Immigranten thematisiert werden, und der libanesische Künstler/Peformer Rabih Mroué geht in "Looking for a Missing Employee" (3. und 4.6.) dem Fall eines spurlos verschwundenen Menschen nach.

Ein Schwerpunkt ist der hierzulande weitgehend unbekannten Szene in Istanbul gewidmet, aus der drei Produktionen kommen: die Frauenperformance "Hässliches Menschlein" (5. bis 8.6.), die Antigone-Neudeutung "Der Schrei der Eurydike" (6. und 7.6.) und das Solo "Reporter" (8. und 9.6.), in dem der Schauspieler Memet Ali Alabora von seinen Erlebnissen als TV-Kriegsberichterstatter erzählt.

Ergänzt wird das forum festwochen durch zwei Installationen: In der Kunsthalle im Museumsquartier hat der Schweizer Mats Staub ein "Erinnerungsbüro" (bis 7.6.) eingerichtet, in dem Erinnerungen von Enkeln an deren Großeltern versammelt sind. Und die Bühnenbildnerin Barbara Ehnes zeigt in einem Zelt im Resselpark ihre begehbare Installation "Istanbul, Transgelinler" (1. bis 8.6.) über die Transsexuellenszene eines Stadtteils von Istanbul.

brut Wien, 30.5. bis 9.6.


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