Kritik

Wo beginnt eine Story, und wo hört sie auf?

Lexikon | Manisha Jothady | aus FALTER 22/09 vom 27.05.2009

Once there was a little boy and everything turned out alright." Diese Kurzgeschichte steuert Louise Lawler zur Schau "Beginnings, Middles, And Ends" bei. Auf prägnante Weise fasst die Grande Dame der amerikanischen Konzeptkunst bei Georg Kargl das zusammen, worum es in den Ausstellungen der Schleifmühlgassengalerien zurzeit geht: um gebrochene Narrationen, um Leer- und Unbestimmtheitsstellen, um den Auslegungsspielraum, den ein Kunstwerk als schematisches Gebilde eröffnet. Arbeiten von 21 Künstlern schienen dem Kurator Jianni Jetzer für das im Rahmen von "curated by" inszenierte Projekt geeignet. Das Unabgeschlossene, für Interpretationen Offene, bahnt sich dabei seinen Weg durch sämtliche Gattungen. Die aus sperrigen Materialien gefertigten Raumteiler von Gedi Sibony bei Gabriele Senn etwa spielen mit Texturen, Licht- und Raumwahrnehmung. Das Prozess- und Lückenhafte dieser Arbeiten provoziert den Blick auf Ephemeres, kontemplativ Poetisches. Jan Mancuska notiert bei Engholm Engelhorn eine Geschichte auf Geschirr, während Douglas Gordon dem Personal eines Museums Handlungsanweisungen erteilt und so dem kommunikativen Potenzial von Kunst eine ironische Note verleiht. Bei Christine König zeigen Mai-Thu Perret, Lawrence Weiner, Jürg Lehni und Alex Rich, wie sich Wörter zu Texten und Bildern formieren. Die Fotogramme von Amy Granat und die Airbrusharbeiten von Anneliese Coste bleiben dagegen in einer Selbstbezüglichkeit stecken, die keinen Raum für Erzählungen öffnet. Über kleine Ungereimtheiten wie diese muss man aber einfach drüberlesen, kommen sie doch auch in ganz großen Romanen vor.

Galerien der Schleifmühlgasse, bis 6.6.


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