Theater Kritik

Sinnliches Spiel mit der Illusionsmaschine

Steiermark | Hermann Götz | aus FALTER 22/09 vom 27.05.2009

In Graz hatte der ungarische Regiewüstling Viktor Bodó bereits mit Kafkas "Schloss" und Lewis Carrolls "Alice im Wunderland" gespielt, bevor er sich Peter Handkes wortloses Drama "Die Stunde da wir nichts voneinander wussten" vorknöpfte. Bodó macht nicht die von Handke in "Die Stunde da wir nichts voneinander wussten" ausgebreiteten Beobachtungen des Geschehens auf der Straße zum Ausgangspunkt seines Theaterkunststücks, sondern auch die theoretischen Überlegungen des Autors zum Thema Illusion. Mithilfe des kongenialen Kameramanns Christian Schütz und der großartigen Musikabteilung entwirft Bodó in immer neuen sprachlosen Wiederholungen derselben Handlungsabläufe eine Vielzahl an Bildern und Ausschnitten aus der Wirklichkeit einer halbfinster flimmernden Stadt. Er spielt mit der Illusionsmaschine Theater wie mit einer Geliebten und nötigt das halbe Ensemble des Schauspielhauses ebenso wie die Mitglieder seiner erstmals in Graz zu erlebenden Szputnyik Shipping Company zu Höchstleistungen.

Schauspielhaus Graz, Do 19.30


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