Kommentar

Aus der Grafiksammlung Albertina wurde die Batlertina

Kunst

Falter & Meinung | Matthias Dusini | aus FALTER 23/09 vom 03.06.2009

Vergangene Woche eröffnete Klaus Albrecht Schröder, der um 20 Kilo und zwei Hauptsponsoren leichtere Direktor der Albertina, die neue Dauerausstellung mit "Meisterwerken der Moderne". Aus einer grafischen Sammlung wurde nun endgültig ein allgemeines Kunstmuseum. Schröder spricht vom Ende einer veralteten kunsthistorischen Einteilung der Kunst in Papier- und Leinwandwerke.

Nun verblasst die Erinnerung an die wichtigste Papiersammlung der Welt tatsächlich rasch. Kein Universal-, sondern ein Malereimuseum ist hier entstanden, das den Triumph dieses Mediums einfältig festschreibt.

So als wäre die Entzauberung eines metaphysisch aufgeladenen Piktoralismus nicht eines der zentralen Themen der Moderne gewesen, deren Musealisierung Schröder hier zu zelebrieren vorgibt. Die Gegenüberstellung mit Fotografie etwa, in allen großen Museen längst Usus, wird einfach ignoriert.

Je mehr man sich der Gegenwart in den drei Stockwerken nähert, umso mehr erinnern die Räume an den Notausgang eines Hotels und umso provinzieller wirkt der Versuch, die Entwicklung der Kunst von Monet bis Weiler runterspulen zu wollen.

Der eigentliche Skandal bleibt aber die Preisgabe eines öffentlichen Museums an einen dubiosen Privatmann. Der Liechtensteiner Anwalt Herbert Batliner, eines der prominentesten Studienobjekte der deutschen Justiz, überließ Schröder seine Sammlung als Dauerleihgabe. Mit gefüllten Ölreserven erhofft sich jener einen besseren Stand im internationale Leihverkehr. Die Marke Albertina ist dadurch bleibend beschädigt. Einer Umbennung in "Batlertina" stünde allerdings nichts im Wege.


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