Kolumne

20 Jahre Tian'anmen: wie ich den Aufstand in Peking erlebte

Außenpolitik

Franz Kössler | Falter & Meinung | aus FALTER 23/09 vom 03.06.2009

Manchmal trägt einen der Zufall in die Mitte des Weltgeschehens. So ist es mir mit Tian'anmen ergangen, wo vor genau 20 Jahren die chinesische Demokratiebewegung niedergeschlagen wurde. Ich war damals Korrespondent in Moskau. Michail Gorbatschow war auf dem Höhepunkt seiner Reformpolitik und reiste Mitte Mai zu einem Staatsbesuch nach Peking. Ich reiste mit. Wir Journalisten wollten sehen, ob der Funke der Perestroika auch auf China überspringen würde.

Die Pekinger Universität war in Aufruhr, Studenten hatten auf dem Platz des Himmlischen Friedens einen Hungerstreik organisiert, um die Regierung zum Dialog zu zwingen, Gorbatschow musste die Halle des Volkes durch den Hintereingang betreten.

Es waren nicht die Moskauer Reformen, die die Studenten interessierten - ihr Blick war auf die USA gerichtet, sie forderten Demokratie. Der internationale Medientross, der den Gast begleitete, bot ihnen vor allem eine Bühne, um die Weltöffentlichkeit auf sich aufmerksam zu machen. CNN hatte Kameras

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