Glimmende Zeichen, sickernde Farben

Feuilleton | aus FALTER 23/09 vom 03.06.2009

Das Museum moderner Kunst ehrt mit dem Maler Cy Twombly den leisesten Krieger des US-Kunstempires

Besichtigung: Matthias Dusini

Rom, Galleria nazionale d'arte moderna. Ein Gebäude von hohler Monumentalität in einem Park in der Nähe der Piazza del Popolo. Zum 50. Jahrestag der Staatsgründung 1911 gebaut, beherbergt es die Malereigeschichte des modernen Italiens: die gigantischen Historienbilder über die Geburt der Nation, den antifaschistischen Haudegenrealismus Renato Guttusos und die futuristischen Günstlinge Mussolinis. Mittendrin weilt derzeit Cy Twombly, der Meister der verglimmenden Zeichen und versickernden Farben.

Weiße Farbe überzieht den Boden und die Wände von Twomblys Retrospektive, der vergebliche Versuch, das visuelle Getöse der Umgebung zu dämpfen. Seit den 50ern lebt der Amerikaner in Italien, derzeit in einem alten Kloster in Gaeta südlich von Rom. Mit einer von der Tate Modern übernommenen Ausstellung möchte man den Wahlitaliener ehren. Man lernt ihn hier als

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