Phettbergs Predigtdienst

Gespinst aus Wasser und ein paar Zutaten

Kolumnen | aus FALTER 23/09 vom 03.06.2009

Hermes Phettberg führt seit 1991 durch das Kirchenjahr

Ebbe und Flut erstaunten mich, wie eben jedes Naturereignis mich immer faszinierte. Ich lasse mich gerne treiben, wie es sich fügt, aber darüber werde ich immer runzliger und die Jahre verfliegen. Und nimmer erscheint der Prinz in versauten Bluejeans mit Rohrstab und S/M-Gelüsten. Jetzt werden gleich die strikten Philosophys erscheinen und den Fehler darin finden, dass ich sofort ins Sexuelle hinüberkippe.

Es stimmt insofern, dass ich mit der strengen Auflage komme, versaut usw., doch wenn das Ereignis einträte, würde ich total schüchtern nicht einmal ein Wort herausbringen, oder überborden vor Nervosität. Ich bin wahrlich oversexualisiert und underfucked! Doch hätte ich andererseits an Aids zu leben aufhören müssen, wenn ich hübscher gewesen wäre, da wäre ich so oft benützt worden, dass sicherlich HIV mein Schicksal geworden wäre.

Nun bin ich überreif! Leicht ranzig und stinkig, Duhsub. Aber alle SOS-Rufe sind vergeblich. Was hab ich in meinem Leben nur falsch gemacht, dass sich nie wer findet, mich begeistert gegenzubegehren? Bald lieg ich verreckt vor Ihnen darnieder, Duhsub, und krächze mit letzter Kraft SOS. Die Milliarden meiner hündischheitlichen Augenblicke würde ich gerne mathematisch dargestellt wissen, seit 56 Jahren flenne ich schon.

Ich will ja nur Bettelfreiheit für Sex. Sex ist in derselben Hirnregion wie Religion. Derweil sind wir Menschen nur ein Gespinst aus Wasser und ein paar Zutaten. Es gelingt mir nicht, an eine Gottheit zu glauben. Gerne würde ich zu den Zuständigkeiten der Caritas bzw. der Diakonie den Bereich der Sexnot eingliedern.

Betrachtet die sexuellen Neigungen, Duhsub: 1. hetero, 2. LGBT und davon die winzigste Neigung des S/M - und davon bin ich das ungefragteste Würmchen, der körperbehinderte, abgemagerte Phettberg, der von fast niemandem mehr erkannt wird.

Trotzdem spiel ich mich auf wie ein Großfürst und denke an die Großzügigkeit der Menschen. Sie sind ja Milliardärys gegen mich und könnten Brosamen verteilen. Und ich kann nicht aufhören, das zu erbetteln. Also renn ich mit dem Megafon herum und bettle. Verstehen Sie die Dürrheit meines Seins, Duhsub?

Die ungekürzte Version des Predigtdienstes ist über www.falter.at zu abonnieren.

Unter www.phettberg.at ist wöchentlich neu zu lesen, wie Phettberg strömt.


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