Heidi List

Schlabber

Sexkolumne. Aufklärung für Zeitgenossen

Kolumnen | aus FALTER 23/09 vom 03.06.2009

Was Sie nie über Sex wissen wollten: Heidi List antwortet, bevor Sie fragen

Als wir meinen Sohn mit der Zunge in der Steckdose erwischten, sagte die Freundin: "Das steckt in uns. Der muss alles abschlabbern, um die Welt zu begreifen."

Stimmt. Ich weiß, wie die Wand schmeckt, so nach Kalk irgendwie. Oder das Holz vom Sessel. Oder die Türschnalle. Und ich habe diese drei wirklich nicht gekostet die letzten Jahre, ehrlich, ich schwöre. Das muss schon lange her sein, dafür habe ich die Dinge eingehendst studiert.

Um die Welt gut kennenzulernen, muss man sie also abschlabbern. Um zu wissen, wer der Nächste oder die Nächste ist, muss man sie erst recht abschlabbern. Wenn man weiß, wie wer schmeckt, ist es auch wurscht, was der sonst daherredet, um sich zu präsentieren, man kennt ihn quasi auf der Schlabberebene, und die lügt nie.

Man ist, wie man schmeckt. Dass sich Beschlabbertwerden dann durchaus angenehm anfühlen kann, macht die Fortpflanzung möglich. Wenn's nur auf Gequatsche ankommen würde, wären wir bestimmt schon ausgestorben. Wahrscheinlich ist das eh jedem schon immer klar. Ich komm mir trotzdem gerade so gescheit und erleuchtet vor.


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