Kritik

Spielwiese statt Kampfzone

Lexikon | aus FALTER 23/09 vom 03.06.2009

Das Straßenbild steckt voller Botschaften: Verkehrsschilder, Graffiti, Werbung auf Plakatwänden, Litfaßsäulen und Screens, Sprüche auf Hauswänden, Schilder von Geschäftslokalen, all das sind Signale, die uns im Alltag mehr oder weniger bewusst begegnen. Die Ausstellung "Krieg der Zeichen - Spurensuche im urbanen Raum" geht visuellen Ausprägungen kommunikativer Vorgänge im öffentlichen Raum nach. Die Schau hat eine Sensibilisierung der Sinne im Visier und will zum Nachdenken über die mediale Verfasstheit unserer Wirklichkeit anregen. Wirklichkeit bedeutet vor allem Computer und WWW: Dank Google Earth kann heute jeder virtuell überall hin, dank dem von Microsoft entwickelten 3D-Fotodienst Photosynth sich jeder eine Welt mit dreidimensionalen Panoramabildern bauen. Die von Markenentwickler und Designer Markus Hanzer konzipierte Konfrontation mit zu Bild gewordenen Realitätspartikeln versteht sich dabei weniger als Schau- denn als Aktionsraum. So kann man hier beispielsweise auf einem Touchscreen Hinweis- und Verbotsschilder als positiv oder negativ bewerten, Bildtafeln mit Kommentaren versehen und in Register der Affirmation oder Ablehnung sortieren. Der öffentliche Raum als Schlachtfeld, in dem unterschiedliche ideologische und ökonomische Positionen nach Macht und Souveränität streben, wird hier zur friedlichen Spielwiese individuellen Gutdünkens. Die im Ausstellungstitel suggerierte Kampfhaltung lässt sich denn auch besser den Wandtexten entnehmen als den diversen zur Interaktion auffordernden Stationen. MJ

Designforum Wien, bis 30.8.


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