Kunst Kritik

"Materialknoten im Hohlraum"

Steiermark | Ulrich Tragatschnig | aus FALTER 23/09 vom 03.06.2009

Das primäre Ausgangsmaterial des Künstlers und studierten Architekten E. D Gfrerer ist nicht einfach Fichtenholz oder Karton, aus denen er vielsprachige Installationen bastelt, sondern der Raum als solcher. Also hat er für die Galerie remixx, wie zuvor für rhizom oder für die regionale-Ausstellung Open Sky, eine Konstruktion entwickelt, welche die vorgefundene Raumsituation ordentlich umkrempelt, weiterdenkt.

Der Luftraum des zweigeschoßigen Eingangsbereichs der Galerie, dreiseitig von einer Treppe umrahmt, ward also zugehängt mit allerlei Erfindungsreichem, das nicht nur architektonische Entgleisungen wie blinde Ecken als Sehfallen zu verdeutlichen wusste, sondern sich auch keineswegs scheute, würdigste Schmuckformen, wie einen pyramidal geschlossenen Baldachin, in sich aufzunehmen, der, gleich neben einem auf den Kopf gestellten Haus im Haus, den Eintretenden huldvoll vor zu viel an auf ihn Einstürzendem zu schützen hat. Und nebenbei hat diese verquere Konstruktion den Vorteil, auch noch zahlreiche von Gfrerers Kunstobjekten in sich zu bergen und miteinander in beziehungsreiche Beiläufigkeit zu bringen. So fährt über den Köpfen der Besucher ein Kahn von Ost nach West, mit zwei Passagieren an Bord, die sich vielleicht eben noch auf den beiden einander dialogisch zugewandten Eisenstühlen unterhalten haben, die ihrerseits inzwischen mehr damit beschäftigt sind, gemeinsam mit zwei Steinen das übliche Verhältnis von Lasten zu Tragen neu zu denken.

Neu gedacht soll demnächst von Gfrerer, Dreier, Lixl und Wilfling auch der Stadtpark werden. Erdbewegung eingeschlossen. Auf gutes Schuhwerk ist dabei zu achten.

Galerie remixx, bis 17. 6.


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