Kritik

Angst und Sehnsucht: 35 Minuten Nahaufnahme

Lexikon | Sebastian Fasthuber | aus FALTER 24/09 vom 10.06.2009

Die Autorin Julya Rabinowich und die Dramaturgin Veronika Barnas haben sich mit den im Empfangsraum des Volkstheaters gezeigten "Fluchtarien" der Flüchtlingsproblematik angenommen. Freilich nicht aus der hierzulande eher üblichen Perspektive (wo kommen diese Leute alle her? Und warum bleiben sie nicht zuhause?). Hier wird einmal herangezoomt, wie es eigentlich den Flüchtlingen geht. Rabinowich kann als Dolmetscherin bei Psychotherapien von Asylwerbern auf einen reichen Erfahrungsschatz zurückgreifen; sie hat ihn zu einem "Monolog für drei Stimmen" gebündelt. Es sprechen eine junge Tschetschenin (Katharina Vötter), die ein Kind in der Slowakei zurücklassen musste und nun keine Ruhe findet, eine noch jüngere Nigerianerin (Luisa Katharina Davids), die als Prostituierte nach Wien verkauft wurde, und eine Chilenin (Patricia Hirschbichler), die inzwischen theoretisch in ihre Heimat zurückkehren könnte.

Die drei Frauen bewegen sich durch den mit Streifenvorhängen abgeteilten Raum und erzählen den Besuchern von ihren Sehnsuchtsorten. Wien findet sich nicht darunter. Als Kontrast zur Seite gestellt wurde ihnen ein Ausländerfeind (Wolf Dähne), dessen Wortmeldungen die Autorin aus Internetpostings gesampelt hat: "Menschenrechte muss man sich erst mal verdienen." Mit nur 35 Minuten Spieldauer ist die Aufführung ein Theatersnack. Danach aber sollten einem die "Fluchtarien" ein wenig länger im Magen liegen.

Volkstheater, Empfangsraum, Fr und Di 19.30 (bis 19.6.)


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