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Ehrendoktoratsverleihung an Desmond Tutu

Lexikon | Bernhard Kern | aus FALTER 24/09 vom 10.06.2009

Seit jeher sah sich der im Jahr 1931 geborene Südafrikaner Desmond Tutu als Stimme der Armen. Ausgehend von der klassischen Befreiungstheologie nahm er als anglikanischer Priester die biblische Tradition als Impuls für seine umfassende Gesellschaftskritik. Zur Zeit des südafrikanischen Apartheidregimes und der kolonial-europäischen Dominanz der "Weißen" prägte er den Begriff "Ubuntu". Der heute auch als Linux-Betriebssystem bekannte Terminus bezieht sich auf eine afrikanische Lebensphilosophie, welche sich mit "Menschlichkeit" und "Gemeinsinn" umschreiben lässt. Ubuntu beruht auf einer Grundhaltung, die sich auf wechselseitigen Respekt und Anerkennung, Achtung der Menschenwürde und das Bestreben nach einer harmonischen und friedlichen Gesellschaft stützt. Diese Einstellung beinhaltet aber auch politische und religiös-spirituelle Aspekte. Tutu entwickelte Ubuntu zu einer theologischen Antwort auf Armut, Diskriminierung und Aids und wurde so auch zum Nährboden für die Anti-Apartheid-Bewegung. Für sein politisches Engagement wurde ihm Jahr 1984 der Friedensnobelpreis verliehen.

In Jahr 2004 erschien sein Buch "God has a Dream", in dem Tutu die Grundzüge seiner "Public Theology" darlegt. Aktuell kämpft er für die Gleichberechtigung homosexueller Paare. Die Universität Wien verleiht dem anglikanischen Bischof für seine außerordentliche Leistung um die Begründung und Entwicklung der Ubuntu-Theologie den Ehrendoktortitel.

Universität Wien, Großer Festsaal, Fr 11.00


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