Kritik

"Dallas" ohne Hagmanns fieses Grinsen

Lexikon | Manisha Jothady | aus FALTER 24/09 vom 10.06.2009

In den USA startete die erste Staffel 1978, Anfang der 80er war die wonnig-seichte Saga um die Familie Ewing dann auch im deutschsprachigen Raum zu sehen. "Dallas" - Pflichttermin für die ganze Familie. Man konnte gar nicht genug kriegen von Cowboyhüten, Liebesintrigen und korrupten Ölgeschäften.

Karina Nimmerfall, die in ihren Arbeiten stets die Bildökonomie amerikanischer TV-Produktionen analysiert, nimmt sich nun in Form einer begehbaren mit computersimulierten Videobildern ausgestatteten Rauminstallation der Mutter aller Fernsehserien an. Ausgangspunkt bilden dabei sogenannte Establishing Shots - Einstellungen, die dem Zuschauer zu Beginn einer Sequenz reale Handlungsorte vorführen, um ihn auf das Geschehen einzustimmen, das in Folge meist im Studio gedreht wird.

Nimmerfalls Videobilder sind solchen Aufnahmen nachempfunden. Der Blick wird durch Fenster von Bürogebäuden auf Wolkenkratzer gelenkt, die als Symbole von Macht und Geld die Skyline jeder Geschäftsmetropole definieren. Das Raumgerüst, das diese Ausblicke einfasst, suggeriert die Klarheit, aber auch anonyme Ausstrahlung moderner Architektur. Die Künstlerin zitiert hier den Wertekanon, der sich im Vorabendprogramm voll Reich und Schön etabliert. Von Larry Hagmann und Patrick Duffy ist hier jedoch keine Spur. Nimmerfalls Referenz auf "Dallas" ist eine ohne Szenen. Das Spezifische kippt in der künstlerischen Dekonstruktionsarbeit ins Allgemeine. Reale Orte, reale Filmsets verflüssigen sich zur Fiktion. Dabei hätten wir so gerne noch einmal die volltrunkene Sue Ellen erlebt, wie sie J.R. eine knallt.

Bawag Contemporary, bis 28.6.


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