Kritik

Mehr als nur nützliches Beiwerk

Lexikon | aus FALTER 24/09 vom 10.06.2009

Rahmen grenzen Bilder von der "profanen" Umgebung ab, schützen sie, betonen ihre Wirkung, interagieren mit dem Gerahmten, konkurrieren gelegentlich mit ihm oder konstituieren es erst. Bereits römische Wandbilder waren mitunter eingefasst, um die Sicht in eine Landschaft als Fensterblick zu suggerieren. In der mittelalterlichen Tafelmalerei waren Rahmen oft integrativer Bestandteil des Bilds, während sie in Sachen Eigenständigkeit erst in der Renaissance eine Blüte erfuhren.

Die Ausstellung "Halt und Zierde. Das Bild und sein Rahmen" nimmt sich nun dieses kunsthistorisch vernachlässigten Randphänomens an und zeichnet die Geschichte des Rahmens vom späten Mittelalter bis ins 19. Jahrhundert nach. Der in ein Werk des Italieners Vittorio Crivelli integrierte und mit Delfinen verzierte Tabernakelrahmen aus dem späten 15. Jahrhundert fasziniert hier ebenso wie ein geschnitzter Rahmen böhmischer Provenienz aus dem 17. Jahrhundert mit Vögeln, Schlangen, Echsen, Laubwerk und Muschelmotiven. Absolut sehenswert auch die zurückhaltend schlichten Kabinettrahmen aus dem frühen 19. Jahrhundert. Sie bestechen vor allem durch die Exklusivität der verwendeten Materialien wie Elfenbein oder Schildpatt.

Die Schau führt aber nicht nur exquisite Exponate aus der hauseigenen Sammlung und aus Privatsammlungen vor. Sie versteht auch Amüsantes zu einzelnen Stücken zu erzählen: So ließ die Familie Liechtenstein für ihre Barockgalerie im südböhmischen Schloss Feldsberg Rahmen aus gold und bunt eingefärbtem Papiermaché anfertigen. Pleite oder einfach nur knausrig? Der Schein von Glanz und Glamour wurde so jedenfalls gewahrt. MJ

Liechtenstein Museum, bis 12.1.2010


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