Neu im Kino

Oralfixierter Horrorspaß: "Drag Me to Hell"

Lexikon | Joachim Schätz | aus FALTER 24/09 vom 10.06.2009

Hab ich irgendwas in den Mund bekommen?!", fragt ein Bankangestellter panisch, nachdem er im Horrorfilm mit dem lyrischen Titel "Drag Me to Hell" von einer plötzlichen Nasenbluten-Fontäne getroffen wurde. Recht hat er: Lange ist es her, dass eine Filmheldin so viel schlucken musste wie seine Mitarbeiterin Christine Brown (Alison Lohman). Verflucht von einer Kundin (fulminant: Lorna Raver), der sie aus beruflichen Hintergedanken keine Kreditverlängerung gewährt hat, bekommt Christine in den folgenden Stunden unter anderem einen Schwall Maden, einen halben Liter Einbalsamierungsflüssigkeit und eine sehr willensstarke Fliege in den Mund. Die wirklich schlechte Nachricht: Wenn es Christine nicht gelingt, den Fluch abzuwenden, wird sie nach drei Tagen Psychoterror von einem Ziegendämon, ja genau, in die Hölle hinunter gezerrt.

Mit "Drag Me to Hell" kehrt Sam Raimi, nach einem knappen Jahrzehnt als Chefingenieur der "Spider Man"-Filmreihe, zum Horrorslapstick zurück, mit dem er sich in den 80er-Jahren einen Namen gemacht hat. Wie in den Filmen der "Evil Dead"-Reihe peilt hier jeder sorgfältig gebastelte Gruselmoment, vom wirbelnden Laub bis zur Dämonenerscheinung, eine genau austarierte Schnittmenge aus Schrecken und dementer Komik an. Die böse Moralerzählung über Konkurrenzdruck und Klassendünkel, als die "Drag Me to Hell" anhebt, verliert sich unterwegs ein wenig im verspielten Effektgewitter. Horror genug sind aber eigentlich schon die ätzenden Charakterminiaturen skeptischer Schwiegereltern oder hinterlistiger Arbeitskollegen, mit denen Raimi seine pastellbunten Comic-Kader bevölkert. Ein kompaktes Vergnügen.

Ab Fr in den Kinos (OF im Artis)


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