Neu im Kino

Meisterwerk: "Neue Zeiten La Vie moderne"

Lexikon | aus FALTER 24/09 vom 10.06.2009

Von den ersten Bildern an bleibt einem dieser Film unvergesslich in Erinnerung. In einer schier endlosen Einstellung geht es eine gewundene, nur provisorisch befestigte Straße durch einen kaum besiedelten Landstrich hinauf und hinunter, auf einen der hier, im französischen Mittelgebirge, den Cevennen, wie von der Zeit vergessenen Bauernhöfe zu. Aus dem Off hebt die Stimme des Filmemachers an: "Am Anfang sind diese Straßen. Am Ende der Straßen liegen Bauernhöfe. Auf diese Höfe kehre ich zurück."

"Neue Zeiten - La Vie moderne" ist das Schlussstück der Dokumentarfilmtrilogie "Profils paysans", die Raymond Depardon 2001 mit "L'Approche" (Die Annäherung) begonnen und 2005 mit "Le Quotidien" (Der Alltag) fortgesetzt hat. Es handelt von Bauern und Schäfern, den letzten Zeugen eines vom Aussterben bedrohten Metiers, zeigt ihre Arbeit und ihr Leben heute. "Was willst du später einmal werden?", fragt der Filmemacher aus dem Off einen kleinen Jungen. "Bauer", erwidert er, genau wie sein Vater, und die Mutter sagt leise: "Das wird es dann nicht mehr geben."

Für den Meisterregisseur bezeichnet "Neue Zeiten" eine Rückkehr im doppelten Sinne: einmal ins Kino, auf 35mm und im Scopeformat, und zum anderen zu Menschen, die Depardon zum Teil schon ewig kennt. So wie etwa Paul Argot, einen alleinstehenden Bauern, der ihn nach 15 Jahren zum ersten Mal in die Küche hereinbittet. MO

Ab Fr im Stadtkino (OmU)


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