Buch der Stunde

Lexikon | Anja Hirsch | aus FALTER 24/09 vom 10.06.2009

Hätte die Sehnsucht einen Ort, läge er wohl unter Wasser, in jenem See in Paraguay, in dem die junge Lala täglich bis zur Erschöpfung schwimmt. Nichts passiert - aber eines Tages sieht sie einen Jungen, der sie aus den Tiefen des Wassers anlächelt. "Durch die weiße Haut des Jungen schimmerten Venen hindurch, über seinen grauen Augen bogen sich lange Wimpern, das Haar schimmerte grünlich und war dicht wie Algen." Noch bevor man weiß, dass ein Kind hier ertrank und warum, geht einem diese Begegnung so nahe, dass man den Buben für wirklicher hält als Lala. Und spätestens hier wird klar: Man befindet sich in einem lateinamerikanischen Roman, wo auf dem Lande Traumartiges geschieht, während die Menschen in den Großstädten traurige Dinge tun, um ihrem reizüberfluteten Leben zu entfliehen. Zwei Welten bilden die Pole dieser schnörkellos erzählten, verzaubernden Prosa. Zwei Welten zerklüften diesen Figuren allmählich das Herz.

Tatsächlich stammt "Das Fischkind" von einer Argentinierin.


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