Theater Am Spielplan

Monumente bröckeln langsam

Steiermark | Gregor Schenker | aus FALTER 24/09 vom 10.06.2009

In Roths "Radetzkymarsch" steht der Untergang der Familie Trotta exemplarisch für den Untergang der Donaumonarchie. Damian Hitz hat dafür eine tolle, karge und symbolisch aufgeladene Bühne gebaut. Auch die Kontrastierung eines schwermütig scheppernden Blasmusiktrios mit langsam schwelendem elektronischem Dröhnen stellt eine konsequente klangliche Übersetzung von Zerfall und Tod dar. Diesen exquisiten Rahmenbedingungen kann das Geschehen leider lange nicht folgen. Die ersten 40 Minuten werden damit verzettelt, das Exposé herzustellen, indem im Eilzugtempo durch die wichtigsten Stationen der ersten Hälfte des Romans gedüst wird. Erst im zweiten Teil der Aufführung macht der Regisseur Ingo Berk den Stoff greifbar, verliert aber dabei seinen Antihelden Trotta aus den Augen. Dennoch gewinnt die Aufführung mit fortwährender Dauer an Intensität und an Entschlossenheit, die Sprachgewalt Roths theatralisch zu übersetzen.

Schauspielhaus Graz, Mi 19.30


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