Musiktheater Kritik

Hochzeitsbankett auf OP-Tischen

Steiermark | aus FALTER 24/09 vom 10.06.2009

Günstigstenfalls kann eine gedankenvolle Regie selbst Mozarts später Musik viel Aufmerksamkeit abziehen. In Peter Konwitschnys Inszenierung der "Così fan tutte" in der Grazer Oper war das am entscheidenden Ende des zweiten und letzten Aktes der Fall. In der deutschsprachigen Produktion der Deutschen Oper Berlin führte Konwitschny im Schlussbild (Bühne: Jörg Koßdorff) die Fäden dicht und dennoch auflösbar zusammen: Für das verrückte Hochzeitsbankett werden rasch drei OP-Tische zusammengerückt, ein weißes Tuch wird übergebreitet, und Fiordiligi (Maria Bengtsson), Dorabella (Kirstin Chávez) und Ferrando (Johannes Chum) stoßen im Kanon auf ihre Missheirat an, bis Guglielmo (Mathias Hausmann) mit dem verständlichen Wunsch, der Wein möge doch vergiftet sein, seinen Einsatz verweigert.

Keine Frage, hier ist der jugendliche Mensch in Arbeit, der Chirurg ist Don Alfonso (souverän Jochen Schmeckenbecher), die OP-Schwester die Zofe Despina (Margareta Klobu\0x02C7car) - in liederlichen Posen nach William Hogarth. Von oben wird die Szene in einem riesigen Spiegel in rot leuchtende Spiralen eines Bordells getaucht.

Die Grazer Philharmoniker unter Dirk Kaftan führen schlank, manchmal zu schlank, gelegentlich auch etwas linkisch und laut. Deutlich am überzeugendsten singt und spielt neben Jochen Schmeckenbecher die Primadonna Maria Bengtsson. In ihrer großen Arie im ersten Akt kontrastiert ihr nobel dosierter Sopran sehr einnehmend die martialisch aufleuchtenden Trompeten. Auffallend pointiert begleitet Catherine McShane am Cembalo. HERBERT SCHRANZ

Oper Graz, Sa, Do 19.00


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