Meinesgleichen

Aus der weiten Welt der Meinung

Falter & Meinung | aus FALTER 24/09 vom 10.06.2009

Weil ich oben wieder einmal die alte Phrase von der medialisierten Politik verwendet habe, hier eine Passage aus einem der besten Bücher zu diesem Thema: "Die Logik der Mediendemokratie drängt die Parteien auf der ganzen Linie an den Rand des Geschehens, auch wenn sie durch ihre Aktivitäten auf der kommunalen Ebene und als politisches Richtungsambiente der Spitzenakteure weiterhin im Fokus der öffentlichen Aufmerksamkeit bleiben. Unter dem Druck der Medienlogik, ihres gebieterischen Präsentismus mit seinem Zwang zu jederzeitigen Sofortreaktionen und dem spontanen Testhandeln der politischen Spitzenrepräsentanten ergibt sich wie von selbst die Abkopplung der Mitgliederparteien mitsamt der ihnen eigentümlichen Diskursformen und -zeiten von den Kommunikationsstrategien der Spitzenakteure.

Die Parteien als demokratische Diskurs- und Entscheidungsgemeinschaften großer Mitgliedschaften mit verbindlicher Handlungsorientierung für ihre politischen Repräsentanten lassen die alten Regeln, Prozesse und Rituale noch lange Zeit weiterlaufen, als sei alles beim Alten geblieben; sie geraten aber in ihren faktischen Wirkungsmöglichkeiten aus dem Zentrum an den Rand des politischen Prozesses der Mediendemokratie. Von dort können sie, falls sie selbstbewusst und schlagkräftig sind, noch immer von Fall zu Fall intervenieren und für die Einhaltung einer Grundrichtung sorgen." Mit ihrem Einfluss auf die Tagespolitik ist es jedoch vorbei.

Quelle:

Thomas Meyer: Mediokratie. Die Kolonisierung der Politik durch die Medien. Edition Suhrkamp, 2001, S. 153 f.


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