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Politik | aus FALTER 24/09 vom 10.06.2009

Helfen Ihnen Politiker beim Regalestapeln, Herr Schiel?

Alexander Schiel hat einen interessanten Ferialjob für Politiker anzubieten. Wer während der Parlamentsferien, die Mitte Juli starten, nicht unter Palmen liege, könne in einem der Sozialmärkte des Vereins "Sozialmarkt Wien" mithelfen, ließ er die Abgeordneten in einer Aussendung wissen. Dort wäre die Lebenssituation sozial bedürftiger Bürger hautnah zu erleben. Die Resonanz war jedoch ernüchternd.

Wie viele der insgesamt 183 Parlamentarier haben sich schon für ein Praktikum bei Ihnen angemeldet, Herr Schiel?

Kein Einziger. Anscheinend haben Politiker in ihrer Freizeit anderes zu tun. Dabei müssen sie ja gar nicht für einen ganzen Monat kommen. Ein, zwei Tage würden schon reichen. Da könnten sie etwas über ihre Wähler erfahren, zum Beispiel wie Mindestpensionisten über die Runden kommen.

Wie viele Kunden haben Sie denn in ihren Sozialmärkten?

Wir haben in unseren beiden Sozialmärkten im zehnten und im 17. Bezirk mittlerweile 18.000 Mitglieder, die bei uns einkaufen. Das kann jeder, der ein Nettoeinkommen von bis zu 900 Euro hat.

Nicht nur das Parlament, auch der Wiener Gemeinderat hat Sommerpause. Haben Sie dort auch um Mithilfe angefragt?

Unser Aufruf war an alle Politiker, aber auch aus dem Gemeinderat hat sich niemand gemeldet. Wir bekommen auch keine Förderungen von der öffentlichen Hand. Unser Sozialmarkt im zehnten Bezirk ist in einem Gemeindebau, und dort müssen wir ganz normal Miete zahlen.

Die Politiker wollen also nicht in der Sommerhitze Regale stapeln. Wie kann man den Sozialmarkt sonst unterstützen?

Wir haben Gott sei Dank ausreichend viele und sehr gute ehrenamtliche Helfer. Was uns aber immer hilft, sind Firmen, die uns Waren umsonst oder günstig zur Verfügung stellen. Die können uns über die Homepage www.sozialmarkt.com kontaktieren.

Interview: Nina Horaczek


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