Mediaforschung

Nachfragekolumne

Medien | Florian Klenk | aus FALTER 24/09 vom 10.06.2009

Meinl-Inserate statt Interviews: Was bringt's, Herr Weinzierl?

Wenn Bankiers im Gefängnis landen, müssen Werber und PR-Agenten Feuerwehr spielen - gilt es doch, einen Banken-Run zu vermeiden und das Image der gefallenen Banker wiederherzustellen.

In Wien schickten die Berater von Bawag-Chef Helmut Elsner einst seine Ehefrau Ruth vor, damit die um mehr Rücksicht für ihren Mann wirbt. Die an Heuschrecken verkaufte Bawag startete eine Kampagne, die Bankbeamte mit aufgekrempelten Hemdsärmeln zeigt - wohl ein Signal, dass fortan ohne faule Tricks gespielt wird.

Der Wiener Bankier Julius Meinl, auf Kabarettbühnen als "Fünfer" verlacht, wählte nach seinen einsamen Tagen in der U-Haft eine andere Strategie. Die Meinl-Bank, beraten vom ehemaligen Format-Chefredakteur Herbert Langsner und dem Ex-OMV-Kommunikationschef Thomas Hue-mer, schaltete in den vergangenen Wochen in Boulevardblättern Inserate, in denen auf "ständige Vorwürfe" gegen Meinl und seine Spekulationsgeschäfte eingegangen wird. Die Kosten für Meinl-Fonds zu hoch? "Fakt ist: Die Werbung der MEL war nicht irreführend", heißt es etwa in einem Inserat der Agentur FCB. Garniert sind die ungewöhnlichen Einschaltungen mit Zeitungsartikeln und Werbeprospekten der Konkurrenten.

"Die negative Stimmung gegenüber Meinl geht zurück", glaubt Meinl-Bank-Vorstand Peter Weinzierl, der die Kampagne mitverantwortet. Eines fällt auf: Julius Meinl selbst scheint in den Inseraten nicht auf. Er, der vieles richtigstellen will, stellt sich keinen kritischen Journalistenfragen. "Wir fürchten uns nicht vor kritischen Fragen, aber wir wollen zunächst die Vorwürfe richtigstellen", sagt Weinzierl. Eine Anfrage für ein Interview hat der Falter schon lange deponiert.

Hier könnte Meinl übrigens reden, ohne teure Inserate zahlen zu müssen.


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