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Medien | aus FALTER 24/09 vom 10.06.2009

Sims gibt einem doch ein richtiges Leben im falschen

Prüfbericht: Thomas Vašek

Es gibt kein richtiges Leben im falschen, schrieb Adorno. Damit hatte er Unrecht. Der beste Beweis ist "Sims 3", die Neuauflage des erfolgreichsten Computerspiels der Welt. Darin spielt man den Alltag einer ganz normalen Familie nach. Man arbeitet, trifft Freunde, pflegt den Garten, erledigt den Abwasch, feiert Partys oder hängt einfach nur herum. Mit anderen Worten, man simuliert das wirkliche Leben - mit allen Konsequenzen: Wer sich um nichts kümmert, wer seine Beziehungen nicht pflegt, sitzt am Ende einsam und verwahrlost in seiner Wohnung. "Sims" hat sich in rund 60 Ländern bislang mehr als 100 Millionen Mal verkauft. In "Sims 3" (50 Euro) ist fast alles möglich: Man kann den Figuren das eigene Aussehen und die entsprechenden Charaktereigenschaften und Hobbys verpassen - vom Fitnessjunkie bis zum Bücherwurm. Im Unterschied zu früheren Versionen können sich die "Sims" nicht bloß in ihrer Nachbarschaft, sondern in einer ganzen Stadt bewegen. Und wer will, kann sich mal zwischendurch in das Leben anderer Familienmitglieder klicken. Außerdem gibt es neue Berufe: In "Sims 3" kann man etwa das aufregende Leben eines Journalisten führen. In Anbetracht der Medienkrise macht einem das richtig Hoffnung für die Zukunft. In "Sunset Village", der Fantasiestadt der "Sims", gibt es weder Zeitungssterben noch Gewaltverbrechen. In Videogames ist eben noch Platz für Utopien.

Thomas Vašek ist Chefredakteur des PM-Magazins und rezensiert für den Falter jede Woche Mediengadgets.


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