Frauen und Männer: In der Landesregierung haben viele noch immer wenig verstanden

Steiermark | aus FALTER 24/09 vom 10.06.2009

Bericht: Gerlinde Pölsler

Von zehn Jugendlichen, die in Jugendzentren Tischfußball spielen, sind nur zwei Mädchen. "Jugendarbeit ist Jungenarbeit", sagt SP-Frauenlandesrätin Bettina Vollath. Ihre Mitarbeiter zerbrechen sich deshalb den Kopf, wie sie mehr Mädchen erreichen können, alle Mitarbeiter durchlaufen Gender-Schulungen.

So kann Gender-Mainstreaming-Arbeit aussehen, die bei allen Maßnahmen, etwa Gesetzesbeschlüssen, die Gleichstellung von Frauen und Männern verfolgt. Durch Gender Budgeting (GB) soll sich dies in Cash niederschlagen. Seit 1. Jänner müsste die Politik GB umsetzen. Doch tut sie das? Dazu hat Grün-Landtagsabgeordnete Edith Zitz alle Regierungsmitglieder befragt.

Nachsitzen müssen Vize-Landeshauptmann Hermann Schützenhöfer und Landesrat Christian Buchmann (ÖVP). Für den Großteil seiner Aufgaben sei GB "ungeeignet", so Buchmann, dabei sollten gerade Finanz- und Wirtschaftsressort Schlüsselrollen einnehmen. Es führt ins Leere, wenn Schützenhöfer wiederum auf Buchmann als Säckelwart verweist. Durch eine hingeschluderte Antwort fällt auch SP-Landesrat Manfred Wegscheider auf. "Positiv überrascht" ist Zitz von VP-Agrarlandesrat Johann Seitingers Antwort: Er hat erkannt, dass bei Projekten zur ländlichen Entwicklung Frauen fehlen, und holt diese gezielt herein, auch durch Qualifizierungen im Weinbau und der Forstwirtschaft.

Für GB-Expertin Gabriele Michalitsch zeigen die Antworten, wie wenig die politisch Verantwortlichen das Thema verstehen. Dabei müssten sie alle konkrete Gleichstellungsmaßnahmen festlegen, dazu gehöre der Kampf gegen Sexismus und Stereotype. Da hat die Politik noch viel zu lernen, hieß es doch etwa am Ende des SPÖ-Wahlkampfauftakts für die Nationalratswahlen: "Die Frauen nehmen zwei Paar Würstl mit, dann brauchen sie heute nichts mehr kochen."


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