Kommentar

Jetzt leiden selbst grüne Softies unter Kastrationsängsten

Ängstliche grüne Männer

Falter & Meinung | Nina Horaczek | aus FALTER 25/09 vom 17.06.2009

An der Diskussion um das schlechte Abschneiden der österreichischen Grünen bei der EU-Wahl war ein Argument äußerst interessant. Nämlich jenes, das gerne von Männern - und auffällig häufig auch von Grünen - verwendet wird: Eine Partei, die zwei Frauen an die Spitze stelle, sei selbst schuld und könne nicht erwarten, auch von den Männern gewählt zu werden.

Lustigerweise kam keiner auf die Idee, zu argumentieren, die FPÖ sei wegen des Männerduos Strache-Mölzer hinter ihren eigenen Erwartungen geblieben. Oder die ÖVP hätte besser abgeschnitten, hätten nicht die beiden Herren Strasser und Karas um den ersten Platz gekämpft. Verliert nämlich ein Mann die Wahl, spielt das Geschlecht keine Rolle. Als Alexander Van der Bellen, Eva Glawischnigs Vorgänger als Parteichef, im Herbst 2008 die Wahl verlor, warf ihm niemand seine Männlichkeit vor.

Sitzen nur Männer auf Machtpositionen, wird das heutzutage bekrittelt, zum Teil auch von Männern. Aber das war's dann auch schon. Stehen zwei Frauen in der ersten Reihe, dann ist das gleich eine bösartige Diskriminierung der Männerwelt, die mit Stimmverweigerung zu ahnden ist.

Überraschend ist, wie selbst grüne Männer zwar den frauenverstehenden Softie geben, aber geht es um die Macht, fahren sie ihre Krallen aus.

Seit zig Jahren bitten Frauen mal lautstark, mal sanft, aber stets freundlich, doch irgendwann gleiches Geld für gleiche Arbeit zu bekommen. Muss ja nicht morgen sein, Männern reicht hingegen schon der drohende Verlust eines Zipfelchens ihres Einflusses, um in ein Kriegsgeheul auszubrechen. Bis sie haben, was sie wollen. Da kann man sich als Frau wirklich etwas abschauen.


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