Mediaforschung

Nachfragekolumne

Medien | Stefan Apfl | aus FALTER 25/09 vom 17.06.2009

Herr Alm, gibt es einen Gott auf den Bussen der Wiener Linien?

Gibt es Gott? "Nein", sagt Niko Alm, "da bin ich mir persönlich sicher." Alm ist so etwas wie der hiesige Apostel des Atheismus. Er führt die Initiative Laizismus an und sitzt im Vorstand von Agathe (AtheistInnen und AgnostikerInnen für ein säkulares Österreich). In deren Auftrag setzt seine Werbeagentur Super-Fi - unentgeltlich - hierzulande jene Atheismuskampagne um, die schon in Großbritannien, Spanien und Deutschland Glaubensgemüter erhitzte: "There probably is no God. Now stop worrying and enjoy your life" war etwa auf Londoner Bussen zu lesen.

Ab Anfang vergangener Woche hätte die deutsche Version "Es gibt mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit keinen Gott. Werte sind menschlich - auf uns kommt es an" auch auf den Bussen der Wiener Linien zu sehen sein sollen. Doch die verzögerten die Werbefahrten zunächst zweimal, um sie schließlich kurz vor dem Start abzublasen.

Solche Sprüche seien mit der "religiösen Sensibilität" der Wiener nicht vereinbar, hieß es.

"Die Kampagne hat sicher einen provokanten Anspruch", sagt Alm. Die Reaktion der Wiener Linien zeige aber ein weiteres Mal, dass "Religion in Österreich ein großes Tabuthema ist".

Letztlich geht es ihm um die nicht unangebrachte Frage nach dem "Nettopositivbeitrag" von Religionen - denkt man etwa an eifernde Islamlehrer, kreuzbrave Rechte oder stichelnde Sikhs. Das Argument, Atheismus selbst sei eine religiöse Kraft, lässt Alm nicht gelten: "Eine Glatze ist keine Frisur und Antifaschismus kein Faschismus."

Die Kampagne will er auch ohne Busse fahren: mit Citylights, Inseraten und der Unterstützung einzelner. Wer der Unwahrscheinlichkeit Gottes Fenster oder Hausmauer widmen will, wende sich an super-fi.eu.


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige