Kein Schnittlauch-Philosoph

Feuilleton | aus FALTER 25/09 vom 17.06.2009

Jürgen Habermas ist ein öffentlicher Intellektueller, der die Qualitätsstandards seiner Profession nicht verrät

Würdigung: Alfred Gusenbauer

An jenen Anlass, als ich Jürgen Habermas persönlich kennengelernt habe, erinnere ich mich noch sehr genau. Im März vor drei Jahren hatte ich die Freude, ihm in Wien für sein Gesamtwerk den Bruno-Kreisky-Preis für das politische Buch zu verleihen. Die ersten Eindrücke im Gespräch vor der Zeremonie ähnelten denen, die auch andere große Denkerinnen und Denker - mit ganz wenigen Ausnahmen - auslösen: Sie kennen kein prätentiös eitles Auftreten, sie sind sich ihres herausragenden Status bewusst, aber sie brauchen ihn nicht ständig zu beweisen.

Und so schilderte Habermas damals, dass ihn noch alle Glieder schmerzten, weil er beträchtliche Schneemengen vor seinem Haus am Starnberger See hatte wegschippen müssen. Überhaupt wäre er ja lieber in einer richtigen Stadt geblieben, aber seiner Frau zuliebe müsse er jetzt halt die Reichen und

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